DER STEINHAUER - Stoabruch Büchlberg | Büchlberger Granit in aller Welt

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DER STEINHAUER

KERBER-GRANIT

Das Leben eines Steinhauers


Von allen Himmelsrichtungen her gingen die Steinarbeiter in den "Berg", zur Arbeit in den Steinbruch. Die tägliche Arbeitszeit betrug zehn Stunden. Sie begann morgens um 6 Uhr; von 8 bis 8.30 Uhr war "Brotzeit" und von 11 bis 12 Uhr Mittagspause. Viele Frauen und Kinder brachten den Männern das Essen, wenn sie weit weg wohnten.
Der "Altgeselle" verkündete den Beginn der Arbeitszeit, indem er mit einem Meißel an einen eisernen Winkel schlug. Vor der Arbeit wurde mittags um 12 Uhr vom Bruchmeister das "Vater unser" laut vorgebetet, dann erfolgte der namentliche Aufruf der Steinhauer. Um drei Uhr nachmittags gab es eine halbstündige Pause und um 6 Uhr abends war Arbeitsschluß. Im Winter wurde bei Petroleumlicht in der Werkstätten gearbeitet und die im Freien Beschäftigten solange es das Tageslicht zuließ.
Im Winter brachte jeder Steinmetz Reisigbündel mit zum Auftauen des gefrorenen Granits. Das Reisigholz wurde im Sommer von den Frauen gesammelt und gebündelt. Diese Bündel hießen "Gleinholz". Das Licht drang nur durch Oberlichten in die geschlossene Werkhütte ein. Staub erfüllte den weiten Raum, in dem über hundert Steinmetze schafften, und Qualm reizte im Winter die Atemwege.


Die Gefährlichkeit des Steinstaubes für die Gesundheit war noch nicht erkannt, im Betrieb grasierte die "Lungensucht". Das Durchschnittsalter der Steinhauer betrug um 1910 nur 35 Jahre. Wesentlich trugen dazu auch die schlechten Wohnverhältnisse und die Ernährung der Steinbrucharbeiter bei.
Offene Bauhütten wurden erst später eingeführt. Jetzt bildeten vier Männer eine "Kompanie", die einander halfen. Hatte ein Steinmetz ein Werkstück zum Aufbänken, rief er: "Kompanie angesprochen!" worauf ihm die andern drei halfen. Am Ende wurde gerufen: "Kompanie ist bedankt!"
War eine Besprechung der Arbeiter notwendig, so wurde sie vom Altgesellen bekannt gegeben. Er schickte einen Lehrbuben durch den Betrieb, der die Versammlungszeit laut ausrufen musste. Waren alle Betriebsangehörigen versammelt, rief der Altgeselle: "Das Budenrecht ist eröffnet. Wer meldet sich zu Wort?" Die Lehrlinge durften bei der Versammlung nicht anwesend sein. Weil es damals noch keine Gewerkschaft gab, wurden die Lohnverhandlungen im Betrieb geführt und alle Vorkommnisse verhandelt. Am Ende der Aussprache rief der Altgeselle: "Das Budenrecht ist geschlossen; die Kollegen sind bedankt."
Erst nach Beendigung der Lehrzeit durften die Lehrlinge in der Werkhütte arbeiten. Die Hilfsarbeiter und die Brecher hatten einen Leinenschurz mit Brustlatz zu tragen, die Steinmetze aber nur einen blauen Leinenschurz. Kam ein Steinmetz aber mit Brustlatz, so wurde ihm dieser sofort abgeschnitten.
An Hochzeiten beteiligte sich die gesamte Belegschaft. Nach Arbeitsschluß zogen die Kollegen in Arbeitskleidung ins Wirtshaus. Dabei musste der Schurz aufgerollt um die Hüfte getragen werden. Dann dröhnte beim Stampfen und Tanzen in den schweren Holzschuhen der Fußboden des Saales. Trotz des hohen Bierkonsums gab es nur selten Streitereien unter den Steinhauern. Eine Rivalität herrschte jedoch zwischen den Steinbrucharbeitern und den Bauernburschen. Bei Auseinandersetzungen gingen meist die Steinhauer als Sieger hervor.
Schon nach dem Gottesdienst ertönte an Sonntagen aus den Wirtshäusern der Gesang der Steinhauer. Starb ein Arbeitskamerad, so gingen alle mit der "Leich". Im Wirtshaus wurde bei der Totensuppe schon gesungen und gelacht, weil der "draust am Friedhof" sonst auch mitgefeiert hat. Vielleicht würde es der Tote übelnehmen, wenn um ihn getrauert würde. Zahltag im Betrieb war alle 14 Tage. Das Geld wurde in der Kantine ausgezahlt. Neben dem Zahltisch saß der Kantinenwirt mit dem Hut in der Hand und kassierte die Bierschuld ein. Das Bier für die Kantine lieferte die Brauerei Josef Kerber in Fürstenstein. Der Liter Bier kostete damals nur 20 Pfennige.
Besonders streng war damals die Abnahme von fertigen Werkstücken durch den Polier. Millimeterarbeit war verlangt und mancher schnaufte auf, wenn sein Stück Zufriedenheit fand. Für die Stadt Hannover wurde ein Brunnen gefertigt. Die Schale des Brunnens, die auf einem Sockel stand, hatte einen Durchmesser von drei Meter. Sie musste so genau geschliffen werden, damit das überlaufene Wasser rundum einen Wasserschleier bilden konnte.

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